Seit ein paar Monaten schon interessiere ich mich sehr für verschiedene Kampfsportarten und boxe nunmehr selber in einem Verein. In der letzten Zeit habe ich mir sehr viele MMA Kämpfe angesehen und festgestellt, dass sie Gemeinschaft der Fans sehr groß ist. MMA ist eine eigenständige und relativ moderne Art des Vollkontaktwettkampfes und die UFC die größte Organisation die solche Kämpfe veranstaltet. Verwundert hat mich dabei, dass hierbei eine Differenz zum Schwergewichtsboxen feststellbar ist, obwohl dieses seit Jahren als die Königsdisziplin der Kampfsportarten verstanden wird. Mein Anliegen war es, diesen Verlust der Beliebtheit zu erklären, also mögliche Gründe für den langsamen Untergang des Schwergewichtsboxens aufzuzeigen.
Meine ersten Gedanken galten der Qualität und Quantität der Kämpfe. So werden in der UFC sehr häufig Kämpfe ausgetragen - oft zwischen Gegnern eines ähnlichen Niveaus. Erkennen lässt sich dies an der Vielfalt der unterschiedlichen Qualitäten, welche die verschiedenen Gegner auszeichnen. Ein Kämpfer hat beispielsweise hervorragende Fähigkeiten als Ringer, der andere einen guten Schlag und wieder ein anderer besticht durch seine Nehmerqualitäten. Durch diese Vielfalt werden die Kämpfe für den Zuschauer als spannend empfunden. Beim Boxen hingegen wird, besonders in der Schwergewichtsklasse, zunehmend auf die weltweit bekannten Namen der Boxer, nicht aber auf die Qualität des Kampfes, im Sinne der Fähigkeiten der beiden Kontrahenten, Wert gelegt. Wladimir Klitschko dominiert die meisten Begegnungen also nur deshalb, da er nicht gegen kämpferisch ebenbürtige Gegner antritt – seinen Bruder Vitali oder Nikolay Valuev beispielsweise. Die Boxstile Klitschkos und Valuevs sind für die Zuschauer zwar recht ansehnlich, allerdings führen diese vermehrt zu langweiligen Duellen, was jedoch mit der Zeit zwangsläufig zu einer Verkleinerung der Gemeinschaft der Fans rund um den Boxsport führt. Erfrischende, neue Größen, wie es in der Vergangenheit Muhammad Ali oder Mike Tyson waren, brächten mit hoher Wahrscheinlichkeit einen erneuten Aufschwung in der Szene.
Ein weiterer Aspekt, der für die großen Unterschiede in Beliebtheit der MMA Kämpfe und des Schwergewichtsboxens verantwortlich ist, ist sicherlich die Art und Stärke der zu sehenden Gewalt. Man darf schließlich nicht vergessen, dass Kampfsport heutzutage als legitimierte Form der Gewaltdarstellung gilt. Bei einem Vergleich der beiden Kampfsportarten fällt schnell auf , dass es bei der MMA barbarischer zugeht. Das fängt schon bei der Aufmachung des „Rings“ an, der bei der MMA ein Metallkäfig in Form eines Oktagons ist, welcher in Verbindung mit der dort ausgeübten Gewalt auf das Publikum eine beeindruckenden Effekt erzeugt und endet bei der Ausrüstung. So werden in der MMA beispielsweise lediglich Handschuhe mit wenigen Unzen verwendet. Auf das Publikum wirkt dies im Ganzen um einiges finsterer und härterer, als es im Schwergewichtsboxen der Fall ist. Hier ist mit der Zeit ein deutliches Minus in Puncto Hingabe und Brutalität eingetreten, weshalb mittlerweile viele Kämpfe unspektakulär durch ein Punktesystem entschieden werden müssen. Das führt zwangsläufig zu einem Hinauszögern des Ergebnisses und damit zur Ungunst der Fans, welche schon von jeher ein schnelles, spektakuläres und brutales Schauspiel dem fairen und langweiligen vorziehen. Das ist der Grund, weshalb die MMA so viele Fans hat, obwohl sich diese oftmals weder für die genauen Regeln der Veranstaltung noch für die dort dargebotenen Kampfstile interessieren. Was zählt ist letztlich die dargebotene Gewalt und diese ist in den Shows der MMA um einiges stärker als beim Schwergewichtsboxen.
Zu guter Letzt spielen auch die Medien eine entscheidende Rolle. Die UFC wird sehr gut vermarktet. Nicht nur in Amerika, sondern auch im deutschsprachigen Raum. So werden regelmäßig MMA Kämpfe m Fernsehen gezeigt und ausführlich kommentiert. Zusätzlich kommt eine ernstzunehmende Show hinzu, welche das Training und das Leben eines MMA Kämpfers zeigt. Der Gewinner dieser Show erhält als Belohnung einen Vertrag mit der UFC. Des weiteren gibt es Sendungen in denen das Regelwerk und die Hintergründe des Sports anschaulich erläutert werden. Eine regelmäßige Zeitung, die sich ausschließlich mit diesem Sport befasst, ergänzt die ausgeklügelte Marketingstrategie der MMA. Boxen hingegen wird sehr viel schwächer vermarktet. Außerhalb der großen Veranstaltungen bei denen namenhafte Boxgrößen auftreten, werden selten Kämpfe im kostenlosen Fernsehen gezeigt. Ein eingefleischter Boxfan, der mehr Kämpfe sehen möchte, kommt um das Bezahlfernsehen nicht herum. Mehr wird den Boxfans durch die Medien nicht geboten.
Im Nachhinein wundere ich mich nicht über das allmähliche Aussterben des Boxens. Die oben aufgeführten Faktoren werden mit großer Wahrscheinlichkeit auch in der Zukunft dazu beitragen, dass der MMA Kampfsport mit Zuwachs in den Reihen der Fans rechnen kann. Es bleibt abzuwarten ob es jemanden gelingt, das Schwergewichtsboxen zu alter Größe zurückzuführen.

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